Au revoir

02Juli2019

                                                                                                                                  Eisenach, 02. Juli 2019

 

                                                        It’s not a trip or vacation, it’s a second life.

 

Jetzt ist es also vorbei – 10 Monate in einem anderen Land, mit neuer Kultur, einer anderen Sprache, neuen Menschen, neuen Erlebnissen und Erfahrungen sollen jetzt einfach so zu Ende sein? Man soll nach 10 Monaten alle(s) zurücklassen, was man gefühlt gerade erst kennengelernt hat? Und was sagt man, wenn man nach seiner Zeit im Ausland gefragt wird? „Es war schön?“ Ein Wort könnte doch niemals meiner wunderschönen, verrückten, erlebnis-und lehrreichen und manchmal auch schwierigen Zeit gerecht werden (selbst diese 5 Wörter können dies nicht)!

 

Im September kamen wir mit vielen Erwartungen und vielleicht auch mit ein wenig Angst nach Drübberholz zum 1. Seminar. Wir wurden das erste Mal mit der Zielsprache konfrontiert, lernten andere Freiwillige kennen und sprachen ein wenig über Kulturunterschiede.

 

Und dann ging es nach Frankreich / Deutschland und unser Abenteuer begann!!

 Wir kamen in ein neues Land, deren Sprache wir nur mehr oder weniger gut beherrschten, in eine neue Stadt, in der wir niemanden kannten und in ein neues Umfeld, an das wir uns erst gewöhnen mussten. Der Anfang war schwer! So ganz alleine ohne die Familie oder Freunde und eine Sprache, in der man (zumindest ich) erstmal relativ wenig verstand.

 Doch wir wuchsen mit unseren Aufgaben! Unsere Sprachkenntnisse wurden besser, wir lernten neue Leute kennen und gewöhnten uns an unsere Aufgaben und die damit verbundene Verantwortung. Irgendwie wurde das Leben in Frankreich/Deutschland zum Alltag.

Doch natürlich gab es nicht nur die Schule in unserem Leben. In den Ferien hatten wir die Möglichkeit, die Familie zu besuchen oder unsere neue Heimat zu entdecken. Für mich persönlich ging es in insgesamt 6 Wochen Ferien (ohne Weihnachten) und an diversen Wochenenden u.a. nach Paris, Nantes, Rennes, St.Malo, Nice, Marseille, Toulouse, Bordeaux, Dijon und Lyon! Die ganzen kleinen Städte, die keiner kennt, lasse ich jetzt mal weg. Manchmal kann ich es gar nicht glauben, wie viel ich in diesem Jahr gesehen habe! Wahrscheinlich mehr als die meisten Franzosen. Es waren schöne Städte, mit leckeren Spezialitäten und vielen Sachen zum entdecken.

 Diese Reisen habe ich nicht alleine gemacht, sondern mit Mädels, die ich durch die Seminare kennengelernt habe. Wir hatten unnormal viel Spaß, haben gelacht und gesungen ohne Ende und ich bin euch so dankbar, dass wir das alles zusammen gemacht haben. Ohne euch wären die Reisen nicht mal halb so schön gewesen!

 

In den letzten Wochen hat man gar nicht so wirklich realisiert, dass die Zeit fast vorbei ist! Für mich war es normal, morgens mit einem fröhlichen „Bonjour“ in die Schule zu kommen, die Kinder ihre Wochentage rezitieren zu hören, die deutsche Kultur zu vermitteln und bei den Hausaufgaben zu helfen. Man wollte gar nicht wahrhaben, dass der Abschied naht und man sich von den Kindern verabschieden muss, ohne zu wissen, ob/wann man sie wiedersieht.

 

Und vor dem letzten Tag kommt das Grauen: Koffer packen!!!

Nach 10 Monaten ist es nicht leicht, alles in den Koffer zu bekommen, die Bilder abzunehmen und das Zimmer plötzlich so leer zu sehen. Alles wird 5 Mal umgepackt und (kaputte) Sachen in den Müll geschmissen, damit auch ja alles in den Koffer passt und die Frage, wie man diesen Koffer nur in den Zug wuchten soll, stellt man sich sowieso.

 Und dann ist er da: der letzte Tag! Für mich war es schwer realisierbar und irgendwie befand ich mich wie in Trance. Sich von den Lehrern zu verabschieden war nicht einfach, aber dann kommen die Kindergartenkinder, die man ein Jahr begleitet hat und wachsen hat sehen und sagen dir, dass du ihnen fehlen wirst! Das war für mich der schwierigste Moment!!

Und ja, sie fehlen mir auch!

 

„Whatever happened, we left a part of our heart wherever our new home was. So yes, we call a place we’ve lived for only ten months our home!”

 

Es war ein mulmiges Gefühl, am Bahnhof zu stehen mit all seinem Gepäck und an das, was das letzte Jahr passiert ist, zu denken. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mir die Arbeit so viel Spaß machen würde, dass ich so wundervolle Menschen kennenlernen würde oder dass ich so viel reisen würde. Mir schwirren so viele Gedanken durch den Kopf, bei denen ich nicht weiß, wie ich sie ausdrücken soll!

 

In der letzten Woche unseres Freiwilligendienstes stand dann das Abschlussseminar in der Nähe von Valence statt. Es war echt schön, nochmal alle Freiwilligen zu sehen und zusammen Zeit zu verbringen. Wir haben sehr viel über die 10 Monate im Ausland reflektiert, haben darüber geredet, was wir gelernt und für uns und die Zukunft mitgenommen haben. Außerdem ging es um die Zeit nach dem Freiwilligendienst und wie wir von unseren Erlebnissen erzählen können.

Durch die Hitze wurde auch viel Zeit am Fluss verbracht und für die Deutschen gab es noch ein letztes Mal gutes französisches Essen und Wein!

 

Und dann ging es wieder in die Heimat. Der Abschied war traurig, es flossen ein paar Tränen und irgendwie fühlte man sich zwiegespalten. Auf der einen Seite freute man sich auf zuhause, auf der anderen Seite hätte man lieber noch mehr Zeit im Gastland verbracht.

Es ist schön wieder daheim zu sein, auch wenn ich noch nicht ganz angekommen bin und realisiert habe, dass Frankreich vorbei ist und ich nicht in zwei Wochen wieder zurückfahre. Ich werde noch ein bisschen brauchen, um wieder richtig anzukommen und hoffe, dass ich dafür die Zeit finden werde.

 

Ich bin so unglaublich froh und dankbar, dass ich dieses Abenteuer erleben durfte! Ich habe so viel über mich selbst, meine Herkunft, eine neue Kultur und Sprache gelernt und nebenbei wundervolle Menschen getroffen, die diese Zeit noch schöner gemacht haben. Ich bin selbstsicherer geworden, kann mit einer Klasse umgehen, habe gelernt, Telefonate zu führen (auf deutsch & französisch) und weiß jetzt, was ich in meinem Leben machen möchte.

Es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte und ich bin stolz auf mich, dass ich diese 10 Monate gemeistert habe, auch wenn es nicht immer leicht war!!

 

„A country with a language we don’t speak, people we don’t know and food we don’t eat became home.

 

Jetzt heißt es, in die Zukunft zu schauen: es gibt neue Projekte und Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, aber ich stehe ihnen positiv gegenüber!

 

Et à la fin: Merci à tous ceux qui étaient dans mon groupe de séminaire! Vous êtes trop cool et c’était un plaisir de vous rencontrer! Bonne chance pour la suite, vous allez me manquer!